Donnerstag, 7. April 2016

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Steve Harley und Cockney Rebel mit A friend for life




Fussball


FC Le Mont - FC Winterthur 2:0 (0:0)
Nachtragsspiel
Mittwochabend, Stade Sous-Ville, 120 Zuschauer (!)
55. Pimenta 1:0, 79. Pimenta 2:0
Aktueller Tabellenstand des FCW: 5. (von 10)

Nach dieser Niederlage gegen den abgeschlagenen Tabellenletzten fehlen mir die Worte!

Dafür ausnahmsweise der Matchbericht von HJ Schifferle im heutigen Landboten.
Der Mann hat die treffenden Worte gefunden! Auf den Punkt!


Nach schwacher, in der zweiten Halbzeit gar erbärmlichen Leistung verlor der FCW das Nachtragsspiel beim Tabellenletzten FC Le Mont 0:2. Beide Tore schoss der altgediente Stürmer Luis Pimenta (30).


Vor dem Spiel konnte man sich, als Gast aus der Grossstadt, noch amüsieren. Über die zwei Sicherheitsleute, die den Schmalspurzug von Yverdon hinauf nach Baulmes begleiteten – in Erwartung von Winterthurer Fans, von denen dann nicht einer in den zwei Wagen sass. Oder über die Kulisse: 20 Zuschauer auf der Gegengeraden, genau einer im heimischen Fansektor. Immerhin, der trommelte ausdauernd. Und insgesamt nicht mehr als 100 Zuschauer im Stadion, ums holprige Geläuf herum.

Auf dem Spiel stand vor allem für die Waadtländer einiges. Neunmal in Folge waren sie seit dem November sieglos geblieben, aus den ersten sieben Rückrundenspielen hatten sie nur ein Pünktchen geholt. Ihr einziger Trost: In dieser Zeit hatten sie fünfmal auswärts antreten müssen. Und in der Vorrunde waren sie zu Hause doch ziemlich erfolgreich gewesen, beispielsweise mit einem 1:0 gegen den FCW, der damals noch unter Jürgen Seeberger einen ausgesprochen schwachen Tag einzog.

Mittlerweile trainiert ja Sven Christ die Winterthurer, bisher mit einer Bilanz, die sich etwa mit jener Seebergers vergleichen lässt. Und so wie unter Seeberger, ja noch schlimmer, war dann auch der zweite Auftritt des FCW in dieser Saison beim Bahnhöfli Baulmes.
In der ersten Halbzeit hatte er das Geschehen noch einigermassen unter Kontrolle, was genauer heisst: Er spielte sich zwar in diesen 45 Minuten nicht eine torgefährliche Szene heraus, geschweige denn eine Chance. Aber er gestand auch den Waadtländern nichts zu.

Moussilou und Pimenta
Doch es folgte eine zweite Hälfte, in der die Winterthurer von der ersten Sekunde an die meisten Zweikämpfe verloren. In der sie keinerlei Klarheit mehr in ihrem Spiel hatten – und dies erst noch mit sinkender Tendenz. In der 52. Minute landete der Ball nach einem Corner irgendwann mal auf dem Fuss Pimentas, und der trat zur Warnung den Pfosten.
Drei Minuten später begnügte sich der portugiesische Stürmer nicht mehr damit. Er konnte auch gar nicht anders. So frei kam er dazu, aus ein paar Metern einen Flachpass Matt Moussilous über die Linie zu schieben. Moussilou hatte dem Schützen ebenfalls ungehindert zuarbeiten können.
Moussilou ist der 34-jährige Franzose, ein ehemaliger Ligue-1-Skorer, der nach einem Achillessehnenriss nach zwei Kurzeinsätzen erstmals in Le Monts Startelf stand – als Partner Pimentas. Wirklich fit ist Moussilou noch längst nicht. Ein paar Minuten nach dem Tor musste er sich, von Krämpfen geplagt, auswechseln lassen. Seinen Dienst hatte er geleistet. «Ich komme ja von weit her», sagte er später.
Nach gut 20 Minuten, in denen die Winterthurer trotz den ersten zwei Wechseln keine sichtbare Reaktion gezeigt hatten, fiel dem FC Le Mont das siegsichernde 2:0 noch leichter. Sein Luzerner Torhüter Jonas Omlin hatte sich vor Patrick Bengondo einen Ball gegriffen. Omlins Auskick erreichte Pimenta, der sich im Duell mit dem ungeschickten Guillaume Katz durchsetzte und dann mit einem Lob über den schlecht stehenden David von Ballmoos hinweg Erfolg hatte.
Das war de facto der Schlusspunkt. Als eine gute Viertelstunde später abgepfiffen wurde, hatten die Winterthurer noch immer auch nicht die Andeutung einer Torchance erwirkt. Ihr Spiel war immer unkontrollierter geworden, wie damals im Herbst, als Trainer Jürgen Seeeberger mit Wechseln und Systemumstellungen reagierte – wie gestern Nachfolger Christ.

«Als Kollektiv versagt»
Der hatte vor diesem Match, nach dem 1:2 gegen den Aufstiegsaspiranten FC Wil und vor der Reise nach Aarau zur Nummer 1 der Rückrunde, von einem «Charakterspiel», von einem «Charaktertest» in der Zweitliga-Ambiance in Baulmes gesprochen. Und auch Christ war nach diesen 93 Minuten völlig klar: Seine Mannschaft hatte diesen Test nicht bestanden, sie war gnadenlos durchgefallen. Oder in seinen Worten: «Wir haben als Kollektiv versagt.» Er habe der Mannschaft schon bei Halbzeit gesagt: «So holen wir hier nichts – obwohl wir das Spiel unter Kontrolle hatten.» So sei es gekommen, «weil wir in der zweiten Halbzeit als Team nicht mehr funktionierten, keine Zweikämpfe mehr gewannen».
Personell hatte Christ für diesen Match drei Änderungen vorgenommen, eine, weil Musa Araz gesperrt war, zwei auch im Zuge seiner Absicht, in diesen Wochen jedem eine Chance zu geben. Also stand Marco Mangold anstelle von Araz als einer der «Achter» im Mittelfeld. Es durfte Tunahan Cicek als Flügelspieler Ramon Cecchini ersetzen und es erhielt als Sturmspitze Genc Krasniqi die seit geraumer Zeit geforderte Chance. Das Ergebnis für diese drei: Keiner nutzte seine Chance, am wenigsten Krasniqi.

Dass sie damit nicht aus dem Rahmen fielen, war aber fast noch bedenklicher. Sucht man – in einer sehr gnädigen Anwandlung – individuell positive Zeichen, dann waren das am ehesten Sead Hajrovic und, anders als am Samstag, Linksverteidiger Marco Köfler. Sonst aber war wenig zu sehen. Christian Fassnacht beispielsweise gewann so gut wie keinen Zweikampf. Als Kollektiv wurde der FCW von Viertelstunde zu Viertelstunde schwächer.
So wars schon lange vor Ende vorbei mit dem Amüsement über das Umfeld, wie es einer zweithöchsten Profiliga nicht würdig ist. Ja man muss sagen, es sei für den FCW vorteilhaft gewesen, dass für einmal nicht einer seiner treuen Fans hinter dem einen Tor stand. Auf der Tribüne waren zwei zu sehen – für diesen Auftritt auch schon zu viel. «Zurück auf null», sagte Trainer Christ noch.

Er fährt nun am Sonntag mit einer Mannschaft aufs Aarauer Brügglifeld, an seine alte Wirkungsstätte, die ihre in jeder Beziehung schwächste Saisonleistung geboten hat. Die das Ziel, in dieser «englischen» Woche wenigstens fünf Punkte zu erreichen, schon verpasst hat. Der stattdessen droht, in dieser Saison erstmals drei Spiele in Folge zu verlieren. (Landbote)


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